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Vor 300 Gästen beim Neujahrsempfang 2012:

Nachricht vom: 16.01.2012

Fortschritt und Zukunftsfähigkeit
für Brühl und Rohrhof
Neujahrsempfang

Neujahrsempfang

 

… nannte Brühls Bürgermeister Dr. Ralf Göck das Motto für die nächsten Jahre, wenn die Gemeinde attraktiv gehalten werden solle, nachdem er allen ein gesundes aber auch glückliches Neues Jahr gewünscht hatte. Unter den Gästen waren unter anderem die Ehrenbürger Gerhard Stratthaus, MdL und Bürgermeister i.R., Günther Reffert, MdL Manfred Kern, Schwetzingens OB Dr. René Pöltl und der Otterstadter Bürgermeister Bernd Zimmermann. Die musikalische Umrahmung übernahm der Frauensingkreis unter der Leitung von Maria Löhlein-Mader.

Mit Beifall bedachten die Gäste die frisch renovierte Festhalle, die nun wirklich Brühls „gute Stube“ geworden sei. Und trotz dieser Ausgaben stehe es gut um die Gemeindefinanzen, zeigten die ersten Ergebnisse der Jahresrechnung 2011 und das zeige auch der Haushaltsplan 2012, in dem die wesentlichen Investitionen aus eigener Kraft gestemmt werden könnten.

Manche setzen hinter das Wort „Fortschritt“ mitunter ein Fragezeichen, aktuell beim Thema Orts-Entwicklung: Ob es fortschrittlich sei, wenn im Brühler Ortskern alte Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt werden – selbst wenn dadurch Raum für altengerechte Wohnungen und Arztpraxen entsteht, fragten sie. Göcks Antwort war positiv, denn der Erhalt der alten Bausubstanz sei nur mit viel Aufwand nötig: „Altbausanierung ist ja durchaus diskutabel, denken wir nur an die Villa Meixner und was wir daraus gemacht haben, sie ist ein beliebter und gern besuchter „Kulturtempel“ geworden. Aber bis heute brauchen wir immer noch fast jedes Jahr Geld, um die Substanz zu erhalten.“ Und auch die Festhalle sei eine solche Sanierung - es komme eben stets auf den Einzelfall an.

Attraktiv blieben nur solche Gemeinden für alle Bürger, die sich neuen Herausforderungen stellen, ohne mit der Tradition ganz zu brechen.

Es gebe so viele wichtige Themen, „denen wir uns in Zukunft stellen müssen und für die wir Geld aus unserem begrenzten Haushaltsvermögen brauchen – Geld, das dort besser angelegt ist als in der Erhaltung alter, maroder Bausubstanz. Ich nenne dazu nur ein Stichwort: Investitionen in Bildung und Erziehung. Dafür wollen wir einiges Geld unseres Haushalts verwenden. Die junge Generation wird es uns danken.“

Göck vergaß aber auch nicht, dass es „neben unseren Projekten des Fortschritts und der Zukunftsfähigkeit“ auch viel erfolgreiches Wirken „im stillen“ gebe: „In unseren Vereinen, in unseren Kirchen­gemeinden und in unseren öffentlichen Einrichtungen, leisten Sie, liebe Gäste, alle, jede und jeder an seinem Platz, einen Beitrag. Das macht mich stolz, glücklich und zuversichtlich, und ich möchte Ihnen heute und hier für Ihren Einsatz herzlich danken. Ihre Leistungen waren – und sind weiterhin – unverzichtbar. Sie stiften Gemeinschaft, und genau das macht die Zukunft unserer Gemeinde aus.“

Sein Dank galt aber auch all seinen Mit­arbei­terinnen und Mitarbeitern bei der Gemeinde, die im Rathaus und in den Außenstellen engagiert arbeiten. Nicht selten erhalte er Lob dafür, wie schnell und präzise sie Aus­künfte erteilen und Dienst­leistungen erbringen, dankte Göck unter dem Beifall der Gäste.

Auf die Themen „Fortschritt“ und „Zukunftsfähigkeit“ zurückkommend berichtete er, dass der Gemeinderat unter seinem Amtsvorgänger vor 20 Jahren damit begonnen habe, in der Hauptstraße Bauern­häuser zu erwerben mit dem Ziel, neue Bausubstanz zu erstellen: „Wir haben einen langen Atem bewiesen.“ 2001 sei Brühl mit der Hauptstraße ins Landessanierungsprogramm aufgenommen worden, wofür ein Rahmenplan von einem renommierten Städtebau-Architekturbüro die Voraussetzung war. Nach vielen Diskussionen sei dieser „Masterplan“ 2002 beschlossen worden, „den wir ab 2010 zu einem Bebauungsplan fortentwickelt haben, der 2011 Rechtskraft erlangte.“ Private und öffentliche Sanierungs­vorhaben seien gefördert worden, und Anfang letzten Jahres habe auf ausdrücklichen Wunsch des Gemeinderates der Abriß der erworbenen Gebäude begonnen, und werde derzeit fortgesetzt.

So seien kurzfristig im „Oberdorf“ Bauplätze ausgewiesen worden. Mittelfristig, d.h. nach Festsetzung des Baurechts und der Umlegung in einem Neu­baugebiet hinter dem Bäumelweg kämen weitere hinzu. Das werde in etwa zwei Jahren aktuell sein. Langfristig geschehe die Ortserweiterung, „mit der wir junge Familien, Ihre Kinder, ansprechen wollen“, durch die Verlegung des FV-Sportgeländes in den Brühler Süden. Das dürfte noch etwa fünf oder sechs Jahre dauern.

Damit seien die großen Linien der bedarfsorientierten Gemeinde­entwicklung der nächsten acht Jahre beschrieben. Entscheidend sei die Überlegung, dass durch neu gewonnene Einwohner regel­mäßige Einnahmen über die zuge­wiesenen Steuern flössen, die in den letzten Jahren eher zurückgegangen seien.  Und ganz wichtig: auch die bisherigen Einwohner, „also wir alle, haben ja auch etwas davon, denn die Benutzungs­gebühren bleiben stabiler, wenn unsere kom­munalen Einrichtungen von mehr Bürgern benutzt werden. Es stabilisieren sich also nicht nur die Ein­nahmen, sondern auch die Kosten bleiben im Rahmen, weil sie durch mehr Bürger geteilt werden.“

Wenn diese Wachstumsperspektive greife, gebe es auch wieder Spielraum für neue Ein­richtungen und Projekte, etwa das Stichwort Gemeindebücherei.

Sein Dank galt dem Gemeinderat für zukunftsorientiertes Denken und den Landtagsabgeordneten, denen er aber auch mit auf den Weg gab, Mittel frei zu machen für die Dammsanierung in Rohrhof, „auf die wir schon sehr lange warten.“ Es gehe um die Sicherheit des nördlichen Gemeinde-Teils vor Überschwemmungen bei besonderen Hochwässern.

Zahlreiche Mitglieder des Jugend­gemeinderats hieß er willkommen. Auch für die Kinder sei viel erreicht worden: „Vor fünf Jahren haben wir die erste Kleinkind­gruppe eingerichtet, inzwischen sind fünf Kleinkind­gruppen und eine weitere Ganztagesgruppe daraus geworden. In dem zum Jahresende planmäßig fertiggestellten Gemeindekindergarten findet schon Gruppenarbeit statt, in wenigen Tagen ist auch der Altbau fertig saniert, so dass ab 1. Februar die „neuen“ Kleinkinder dort einziehen können. Es bedeutete, einen kleinen Kraftakt zu bewältigen, um diesen Kindergarten in neun Monaten, vom Richtfest im Mai bis zum Einzug der Kinder am 1. Februar, zu errichten. Aber wir haben es geschafft dank aller Bauarbeiter, dank meines Ortsbau- und Ordnungsamts sowie des Teams vom „Haus der Kinder“ und nicht zuletzt dank des Architekten, Helmut Baur. Glückwunsch zu dieser fast planmäßigen Geburt!“

Göck grüßte auch die Schulleiter, darunter Birgit Ric, Rektorin der Schillerschule. Sie dürfe auch weiterhin den Werkrealschul-Abschluss in Brühl anbieten. Und damit zeige sich, dass es richtig war, nicht gleich auf das Konzept der Schul-Zusammen­legung mit Ketsch einzugehen, sondern die neuen politischen Überlegungen abzuwarten: „Wir müssen nicht immer „bei den Ersten“ sein, manchmal ist es auch ratsam, zuzuwarten, ob sich eine Neuerung durchsetzt.“ Konrektorin Anja Rauh von der Marion-Dönhoff-Realschule sei sicher froh, dass jetzt der Streß des Erweiterungsbaus und der Fassaden­sanierung vorbei sei: „Das Ergebnis dieser 3,8-Millionen-Investition im letzten Jahr kann sich wahrlich sehen lassen!“ Auf einen Anbau für etwa 650.000 Euro dürfe sich der Rektor der Jahnschule, Michael Körber, freuen, mit dem die Raumnöte der nachmittäglichen Schulkinder­-Betreuung behoben werden: „Wir wollen nicht auf eine Ganztagesschule warten, in Brühl wird den berufstätigen Eltern sofort geholfen.“

Göcks Dank gilt auch der Feuerwehr und ihrem Komman­danten Stefan Mehlich für ihren fast täglichen Einsatz, dem Brühler Roten Kreuz mit Werner Weidner an der Spitze sowie der Polizei, für die der Mannheimer Kripo-Chef Heinz Gräter vertreten war.

Sein Lob für Vereine und freie Initiativen ergänzte er auch um die Ansprache der Vertreter der Wirtschaft („Freuen uns auf hoffentlich bald gelingende Gewerbe-Ansiedlungen auf dem Schütte-Lanz-Gelände“) und der Gesundheits-Dienstleister, die jeweils über Gesprächsrunden und Veranstaltungen zusammengebracht werden, um den Zusammenhalt zu stärken und Probleme auf dem kleinen Dienstweg schnell zu lösen.

„Sowohl die MVV als auch die EnBW zählen sicher zu den ganz heißen Kandidaten für das Rennen um die neue Stromkonzession in Brühl, das in diesem und wohl noch im nächsten Jahr laufen wird. Spannend wird es, ob es sich für die Gemeinde sogar rechnet, sich selbständig zu machen beim Strom oder ob es wirtschaftlicher ist, wieder eine Konzession an einen Versorger zu vergeben, wie es kürzlich die Nachbar­gemeinden Oftersheim und Ketsch getan haben“, sprach er am Ende noch ein Zukunftsthema an.

Mit der neuen Energiewirtschaft seien auch neue Arbeitsplätze verbunden, bemerkte er bei der Begrüßung von Klaus Kuhn von der Arbeitsagentur Schwetzingen, der mit seinen gegenüber 2010 nochmals verbesserten Arbeitslosen­zahlen für Brühl glänzen konnte, „denn wir hatten im Dezember 2011 so wenig Arbeitslose wie noch nie in den letzten 20 Jahren“.

Daß dieser  Energiewandel in Brühl in vollem Gange sei, habe man sicher bei den neuen Fernwärmeleitungen feststellen können: „Das hat zwar zu manchen Umleitungen und Absperrungen geführt, letztendlich haben weitere 350 Haushalte jetzt diese umweltfreundliche Techno­logie und sind unabhängig von Öl und Gas geworden. Für alle war es eine vorteilhafte Entschei­dung.“

Wie in nur wenigen Gemeinden sei es in Brühl möglich, selbst einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, indem man sich an die Fernwärmeversorgung anschließen lässt, mit Unterstützung der Gemeinde eine solarunterstützte Heizung einbaut oder sich für eine andere der immer noch geförderten Umweltschutz­maßnahmen ent­scheidet. Viele haben das auch schon genutzt.

Darüber hinaus werde Brühl auch in anderer Hinsicht Schauplatz der bundesdeutschen Energiewende. Hier werde nach umfangreichen Unter­suchungen und Sicherheits-Gutachten wohl 2012 die erste Bohrung für ein Geothermie-Kraftwerk niedergebracht. Auch Geothermie gehöre zu diesen dezentralen und erneuerbaren Energien, mit denen die Atomenergie mittelfristig ersetzt werden soll: „Mir wurde geraten, dazu heute nicht so viel zu sagen, da dieses strittige Thema tiefe Gräben der Uneinigkeit in unserer Gemeinde aufgerissen habe, und zu einem Neujahrsempfang nicht paßt.“

Er habe Verständnis für Ängste und Bedenken der Bürger. Nach drei Jahren voller Gespräche und Gutachten habe die Genehmi­gungsbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg nun mal dafür entschieden. Er wolle auch weiterhin offen sein für Gespräche über die Abläufe und die Technik, die 2008 einstimmig und dann mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht worden sei: „Im Sinne der Politik des „Gehört-Werdens“ werden wir geduldig mit den interessierten Bürgern sprechen. Bestimmte Vertrags-Konstellationen und auch die Position der Genehmi­gungsbehörden können wir aber nicht übergehen. Wie sagte unser Ministerpräsident Kretschmann auch gestern wieder: Irgendwann muß auch entschieden werden.“ Anregungen, wie die freiwillige „Beweislastumkehr“ vom Vertragspartner zu verlangen, oder die Überlegung, Wärme für die Marion-Dönhoff-Realschule und die Gebäude im Sportpark Süd gegebenenfalls aus der Abwärme des Kraftwerks zu beziehen, würden aufgenommen. Solche Beispiele zeigen, dass ge­mein­sames Überlegen zu durchaus sinnvollen Gedan­ken führen könne: „Daher fordere ich alle Beteiligten auf, gemeinsam und solidarisch zu handeln. Denn was das Projekt nicht braucht, ist Streit in unserer Gemeinde.“

Brühl, so fasste der Bürgermeister zusammen, sei ein attraktiver Ort in der Metropolregion Rhein-Neckar, naturnah und verkehrsgünstig gelegen. Brühl werde zu den ersten Gemeinden in Deutschland zählen, die ab 2012 über Glasfaserkabel kommunizieren könnten. Brühl habe hervorragend sanierte Schulen, moderne Kinder­tages-Einrichtungen und biete ein reichhaltiges Kulturprogramm, ein vielfältiges Vereinsleben sowie eine gute Lebensmittelnah­versorgung. Brühl habe Lebensqualität.

Aus all diesen Gründen sei Brühl auf dem Immobilien­markt gesucht, dies sei auch ein Grund, „warum uns das Statistische Landesamt zutraut, bis zum Jahre 2030 nur ganz wenige Mitbürger, nämlich 0,2 Prozent, zu verlieren. Das liest sich für andere Orte ganz anders.“

 

Abschließend galt sein Dank der Presse und zum Schluß auch dem Frauensingkreis mit seiner Chorleiterin Maria Löhlein-Mader und der Vorsitzenden Monika Gredel.

 

Statt über Bundesländer über Kontinente

In seinem Grußwort für die Vereine bemerkte Vereinsvertretervorsitzender Wolfram Gothe nach Lob und Dank für Vereine, Spender, Institutionen und Gemeindeverwaltung für die Arbeit im abgelaufenen Jahr, dass auch 2012 wieder die Vereinsförderung ungeschmälert fließe. Er verband damit den Wunsch, dass „die betreffende Vereinswelt unsere Gemeinde bei ihren Veranstaltungen unterstützt, sich an den Umzügen beteiligt und auch bei den Traditionsfesten, sprich Sommerfest und Straßenkerwe, Präsenz zeigt.“

Er monierte Terminüberschneidungen und appellierte an die Vereine, die Koordination der Interessengemeinschaft zu nutzen, zu den Sitzungen zu erscheinen, zumindest jedoch den Veranstaltungskalender zu studieren.

Daß das Brühler Fischerfest nicht mehr stattfinde, fand er schade: „Der Traditionsgedanke musste sich den Geschäftsinteressen mit Festbetrieb auf dem eigenen Gelände unterordnen“. Wie man weiterhin der Tradition verbunden, und trotzdem erfolgreich sein könne, das zeige das Rohrhofer Fischerfest nach dem Motto „klein aber fein, und dies sogar ohne Rummelplatz“.

Die Entscheidungen in Sachen Sportpark Süd begrüßte Gothe, insbesondere auch den Standort der neuen Sporthalle beim Gelände des Turnvereins 1912, der die Halle am meisten benutzen werde.

Weiter wies Gothe auf die hohe Bedeutung der Jugendarbeit hin, um eine Überalterung des Vereins abzuwenden. Und Vereine, „die sich selbst nicht mehr halten können, sollten dies aus erkennen, und sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen“.

Aber auch das Thema „Professionalität“ im allgemeinen ließ er nicht aus: „Das heutige Publikum stellt durch ein enormes Kulturangebot sehr hohe Ansprüche, und zieht sehr schnell seine Schlüsse“. Konsequentes Training bringe hier Erfolg.

Am Ende empfahl er den ehrenamtlich Tätigen, die eine wichtige, tragende Säule der heutigen Gesellschaft seien, den respektvollen und nachsichtigen Umgang miteinander als Grundlage eines intakten Vereinslebens. Doch ein ganz wichtiger Grundsatz sollte über allem stehen: „Halten Sie Ihrem Verein die Treue, wenn es auch manchmal noch so schwer fällt“.

Auch im Namen seines Stellvertreters Ralf Schwarz wünschte Gothe allen Gesundheit, Zufriedenheit mit Herz und Humor.

 

Am Ende überreichte Gothe als obligatorisches Neujahrsgeschenk an den Bürgermeister nicht nur Reiseproviant und eine Reiseapotheke für die Fahrt in die afrikanische Partnerstadt Dourtenga, sondern schlug ihm auch vor, eine „interkontinentale Eingemeindung“ Dourtengas vorzunehmen, nachdem es mit der Ortsgemeinde Otterstadt über Bundesländergrenzen hinweg ja nicht geklappt habe. Gothe hatte den Eingemeindungsvertrag schon ausformuliert …