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Jahresrückblick des Bürgermeisters Das war 2002 aus Sicht der Gemeinde Brühl

Nachricht vom: 21.12.2002

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

im Jahr 2002 bewiesen viele unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in besonderem Maße Solidarität: Hilfs- und Spendenaktionen erbrachten bemerkenswerte Ergebnisse: Als die wichtigsten nenne ich die Aktion "Brühl hilft Dresden-Weixdorf" und die Gründung der "Brühler Stiftung für Menschen in Not". Darüber hinaus wurde für Spielgeräte in unseren Kindergärten gespendet und für Hungernde in der Welt "marschiert". Bei all diesen Aktionen ging es um fünf-, teilweise um sechsstellige Euro-Beträge. Dafür herzlichen Dank allen Mitwirkenden! Das sind gute Zeichen für eine Gesellschaft, die immer wieder als "egoistisch" bezeichnet wird, und stimmt zuversichtlich, daß die vor uns allen liegenden Herausforderungen bewältigt werden.

Kommunalpolitisch stand das abgelaufene Jahr ganz im Zeichen von Planungen unterschiedlichster Art: Vor allem ging es um Bebauungspläne, die die Voraussetzung für private und öffentliche Bauvorhaben sind. Aber es wurden auch kommunale Bauprojekte geplant, freilich ausschließlich Sanierungsprojekte. Abgeschlossen wurden die Sanierung des Jahnhallen-Daches und die Fassadensanierung zweier Gemeindewohnhäuser. Auch die Ortskernsanierung kommt gut voran: Rund ums Rathaus wird seit Monaten gebaut, die seit 2001 fließenden Sanierungszuschüsse des Landes werden sowohl von Privatleuten als auch von der Gemeinde schon rege genutzt, so daß bald ein Erhöhungsantrag gestellt werden muß.

Im letzten Jahr hatte ich Ihnen unseren Weg, mit den Betroffenen zu sprechen und die beste Lösung gemeinsam zu erreichen, vorgestellt, auch und gerade für die Planungen um den Rohrhofer Hofplatz. Die konkrete Umsetzung zeigte aber auch, wie unterschiedlich die Interessen der Betroffenen sind: Wollen die dort Wohnenden in ihrer Nachbarschaft möglichst kleine Häuser, die ihnen jedenfalls nicht die Sicht versperren, kann es für die Grundstückseigentümer nicht groß genug sein, damit sie gute Grundstückspreise erzielen. Die Gespräche mit den Betroffenen führen natürlich zu langen Planungszeiträumen.

Eine andere Problematik spielte bei der Änderung des Bebauungsplans für "Aldi" eine Rolle: die übergeordneten Interessen des Denkmalschutzes, aber auch der Landesplanung waren berührt und auch hier gab es viele Gespräche und Anhörungen bis eine Lösung gefunden war. Demnach kann aus heutiger Sicht im kommenden Jahr der "Aldi" auf dem ehemaligen Gelände der Schütte-Lanz an der Mannheimer Landstraße gebaut werden.

Etwas einfacher gestaltete sich die von mir initiierte Bebauungsplanänderung für den "Plus"-Markt in Rohrhof, mit dem die wohnungsnahe Versorgung des Rohrhofs gesichert werden soll. Hier mußte der Lärmschutz für die Nachbarn gewährleistet werden - der Markt wird schon gebaut und im Frühjahr eröffnet.

Wie die zeitliche Verzögerung von Planungen auch mal hilfreich sein kann, zeigte sich bei dem künftigen Wohnbaugebiet "Traumannswald II". Nachdem die Voraussetzung hierfür, nämlich die Verlegung des Tennisgeländes an der Mozartstraße, erst 2001 rechtskräftig geworden war, blieben die ersten Ideen für das Wohnbaugebiet aus 1989/91 lange in der Schublade. Zwischenzeitlich wurde die Hochspannungsleitung über dem Gelände dort jedoch abgebaut, so daß keine "Freihaltetrassen" mehr vorzusehen sind und das Gelände in lockerer Bebauung naturnah zu entwickeln sein wird, freilich erst nach Verlegung der Tennisanlage, was 2003/2004 geschehen wird.

Vornehmlich geht es in Brühl und Rohrhof aber um die Sanierung bestehender Bauten. Das betrifft unsere Schulen ähnlich wie unser Hallenbad: Außenfassaden und das Innenleben wie Sanitär- und Heizungsanlagen sollen saniert werden. Unser Feuerwehrgerätehaus entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Unser Gemeindelokal "Ratsstube", das die Festhalle mitversorgt, wird derzeit zu einem modernen Restaurationsbetrieb umgebaut.

Im Umweltbereich haben wir 2002 die finanzielle Förderung von sauberen Heizkesseln, von Solaranlagen und von Fernwärmeanschlüssen verbessert. Im Freibad verbrauchen wir 19 (!) Prozent weniger Strom als in den Vorjahren, weil wir die Umwälzpumpen sozusagen fernsteuern - je nach Bedarf werden sie aus der Ferne höher oder niedriger gestellt.

Und ich darf Ihnen mitteilen, daß wir auch im nächsten Jahr unser Kompostlager beim Friedhof kostenlos für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger aufrechterhalten werden. Das ist auch ein Beitrag zur Motivation unserer Bürger, sich für das Grün nicht nur im eigenen Garten, sondern auch vor ihrem Haus auf den Straßen und Plätzen einzusetzen.

Die Aktivitäten auf der Brühler Kollerinsel schreiten voran: Der Hochwasserpolder könnte schon geflutet werden, denn das Land Rheinland-Pfalz hat das Einlaß- und Auslaßbauwerk am Rhein fertiggestellt. Während derzeit Erdbewegungen zur Schaffung von sog. Schluten durchgeführt werden, um die jetzt noch landwirtschaftlich genutzte Fläche möglichst naturnah zu gestalten, bereiten sich die Kollerbauern auf den Umzug vor, weil ihre Höfe abgerissen werden müssen. Ein Pferdepensionshof wird 2003 auf einer bereits geschütteten Warft gebaut.

Bereits begonnen wurde mit der Verlegung der Versorgungsleitungen: Wasser, Abwasser, Strom und Telefonleitungen führen schon von der Warft in der Nähe der Kollerfähre zu unserem künftigen Naherholungsgebiet und von dort nach Otterstadt, wo sie mit den entsprechenden Anlagen der Verbandsgemeinde Waldsee verbunden werden.

Nicht viel weiter sind wir leider mit unserer Kreisstraße 4143 neu - von der Rheinauer Straße in Rohrhof bis zu dem Knoten zwischen dem ehemaligen Süba-Baumarkt und der Hima. Die Verkaufsverhandlungen mit den Grundstückseigentümern dort wurden zum größten Teil erfolgreich aufgenommen, aber immer noch gehören dem Landkreis als zuständigem Baulastträger nicht alle notwendigen Grundstücke. Die Werkplanungen sind so weit fortgeschritten, daß ausgeschrieben werden könnte.

Abgeschlossen sind hingegen die Bauarbeiten an dem 3-Millionen-Euro-Projekt, das unser Naherholungsgebiet neu gestaltet hat: Ich meine den Hochwasserschutzdamm um Brühl und den südlichen Teil von Rohrhof. Der Damm wurde hochgesetzt, weil neuere Berechnungsmethoden ergeben haben, daß die bisherigen Dämme für ein Jahrhunderthochwasser nicht ausreichen, und weil wir gesagt haben, daß wir den gleichen Hochwasserschutz haben wollen wie andere, für die wir ja unsere Kollerinsel als Hochwasserspeicher zur Verfügung stellen. Im letzten Juni hat Umweltminister Müller das Bauwerk seiner Bestimmung übergeben. Seitdem nutzen viele das damit entstandene Wanderweg- und Radwegenetz durch die Schwetzinger Wiesen.

Apropos Wasser: In diesem Sommer haben wir ein neues Kinderspielgerät in unserem Freibad aufgebaut. Das Badewetter war nicht ganz so gut. Diesmal waren es nur 96.000 Besucher. Diese Gäste scheinen aber sehr eng mit unserem Bad verbunden zu sein, denn fast 1.900 davon haben bei dem Wettbewerb für einen neuen Namen für unser Freibad mitgemacht. Es sind zwar nicht 1.900 verschiedene Namen, es bilden sich auch gewisse Häufigkeiten heraus - am Ende wird aber der Gemeinderat die Entscheidung zu treffen haben. Wir freuen uns auf das nächste Jahr, wenn wir am 29. Juni den 40. Geburtstag unseres Freibades feiern, wenn wir das Schild mit dem neuen Namen enthüllen und wenn wir die erneuerten Sanitäranlagen einweihen, eine unserer teuersten Einzelinvesitionen in 2003.

Immer noch auf der Suche sind wir nach einem Jugendhaus, denn es gibt Probleme im evangelischen Gemeindezentrum, wo die Jugendlichen nicht mehr gelitten sind, weil sie zu viel Lärm machen. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verbessert, aber es kommen auch weniger Leute in den Jugendtreff.

Immer mehr unserer Kindergärten sind inzwischen zu den flexiblen Öffnungszeiten übergegangen und trotz erhöhter Personalkosten haben wir die Elternbeiträge seit einigen Jahren nicht mehr erhöht. Inzwischen nehmen wir in einigen Gruppen einzelne Zweijährige auf, was ebenfalls gut ankommt bei den betroffenen Müttern und Vätern. In diesem Jahr haben wir den Fußboden in unserem Gemeindekindergarten komplett erneuert, in den konfessionellen Kindergärten wurde die Außenanlage in St. Lioba und die Fassade in St. Bernhard erneuert. Das Kindergartenforum aus allen Kindergärten hat sich mit der Veranstaltung eines "Weltkindertages" im September gut in Szene gesetzt.

Entgegen mancher Vermutung werden unsere Kinderspielplätze sehr regelmäßig seit Jahren wöchentlich einmal gesäubert und die Spielgeräte werden regelmäßig erneuert. Für den "Steffi - Graf-Park" haben wir in Zusammenarbeit mit dem das Jugendhaus führenden "Postillon" einen Studenten engagiert, der den Spielplatz zweimal die Woche saubermacht.

Von den ganz Jungen zu den Senioren: Beim "Betreuten Wohnen" geht es darum, Senioren eigene, seniorengerechte vier Wände zu geben, in denen sie selbständig wohnen können, aber auch einen zentralen Betreuungsdienst und Gemeinschaftseinrichtungen zu schaffen. Viele können ihr Haus nicht mehr alleine bewirtschaften, wollen aber auch nicht in ein Pflegeheim. Für diese Gruppe ist "Betreutes Wohnen" richtig. Hierfür wird in der Ahornstraße im Grenzhöfer Wegäcker ein Haus in Zusammenarbeit mit einem privaten Bau- und einem Betreuungsträger entstehen.

Unsere verliehenen Festgelder kommen zurück. Dies steht seit November fest, die Hauptforderungen sind großenteils bereits rückabgewickelt. Streit gibt es noch um die Zinsen. Ich fürchte, daß auch hier wiederum erst Grundsatzentscheidungen über die anzuwendenden Prozentsätze gefällt werden müssen.

Dennoch ist die Finanzlage schlechter als in den Vorjahren, denn die Steuerschätzungen gehen zurück und damit auch unser Spielraum und wir haben schon manchen Wunsch zurückgestellt. Unterstützt haben wir wieder die Vereine in unserer Gemeinde, deren Investitionen in ihre Sportanlagen großzügig gefördert wurden. Sehr gute Leichtathletikleistungen sowohl in Rohrhof als auch in Brühl waren eine Folge.

Beim Thema Wirtschaftsförderung sind wir rege und haben gut besuchte Wirtschaftsgespräche hinter uns. Wir haben eine neue Informationsbroschüre zusammengestellt und den Bildband "Spaziergang durch Brühl und Rohrhof" herausgebracht, der ein guter Werbeträger für unsere Gemeinde ist. Begonnen haben wir mit Gesprächen zum Thema "Lebendiger Marktplatz Brühl", denen aber nur Erfolg beschieden sein wird, wenn viele mitmachen.

Fortgesetzt haben wir unsere zahlreichen Kulturveranstaltungen in Brühl von der Kleinkunst bis zur Kunstausstellung und zu Open-Air-Konzerten sowie die Förderung der Jugendmusikschule, die inzwischen eine Jugendblaskapelle zusammen mit dem örtlichen Musikverein auf die Beine gestellt hat. Höhepunkte waren die Veranstaltungsreihe zum 50. Geburtstag des Landes Baden-Württemberg, das Konzert der US Army Band mit mehr als 1.000 Besuchern und die Kabarett-Benefizveranstaltung zugunsten unserer Aktion "Brühl hilft Dresden-Weixdorf".

Unsere Partnerschaften zu Dourtenga, zu Weixdorf und zu Ormesson in Frankreich entwickeln sich positiv weiter. Eine erfolgreiche Veranstaltung war der 25. Geburtstag unserer Partnerschaft mit Ormesson im Juni.

Neben den zahlreichen Spendern gilt es auch all denen Dank zu sagen, die ihre Zeit verschenkten und unser Gemeindeleben im abgelaufenen Jahr positiv mitgestaltet haben, sei es bei unseren großen Straßenfesten Rohrhof und Brühl, sei es bei unserem Ferienfreizeitprogramm im Sommer oder sei es eher im Verborgenen bei der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz, in den Jugendabteilungen unserer Vereine, durch eine Baumpatenschaft oder durch Krankenbesuche.

Mein Dank geht weiter an die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die positiv zum Wohle der ganzen Gemeinde zusammengearbeitet haben, und an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus und in den Außenstellen, die bei der Umsetzung der vielen Planungen und Beschlüsse tatkräftig angepackt haben.

Allen Leserinnen und Lesern der Brühler Rundschau und von "Brühl online" wünsche ich glückliche Weihnachten, erholsame Feiertage und im nächsten Jahr Gesundheit und den Erfolg, den Sie sich selber wünschen.

Herzlichst,

Dr. Ralf Göck
-Bürgermeister