Durch die gut besuchte Veranstaltung führte Stadtplaner Timo Buff

Donnerstag, 1. August 2019

Auftakt „Dialog Wohnen Am Schrankenbuckel“ erfolgreich

 

Mit fast 200 Gästen gut besucht war die Auftaktveranstaltung zu dem vom Gemeinderat als Siegerentwurf beschlossenen städtebaulichen Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Schrankenbuckel in der Festhalle.

Bürgermeister Dr. Ralf Göck wies in seiner Begrüßung anhand von Brühler Beispielen auf drei Momente hin, die in der Diskussion nicht vergessen werden dürften: „Wir haben Wohnungsnot, jeden Tag erhalte ich Anfragen nach Wohnungen oder Häusern, sogar von der Konzertbühne beim letzten Open Air herunter“. Gleichzeitig werde gefordert mit Rücksicht auf Natur und Umwelt sowie auf die Landwirtschaft wenig Fläche zu verbrauchen und zu versiegeln: „Auch deswegen ist das Gebiet dort für Wohnungsbau hervorragend geeignet, zumal es schon zur Hälfte versiegelt ist“.

Deswegen habe der Gemeinderat 2017 einstimmig beschlossen dort ein gemischtes Wohngebiet mit einem 70prozentigen Anteil an Mehrfamilienhäusern zu errichten. Dennoch wolle man in den nächsten sechs Monaten intensiv an dem jetzt vorliegenden Entwurf arbeiten. Diesen stellten dann die Planer der Arge zunächst ganz grob im Plenum und dann an den vier Thementischen im Einzelnen vor.

Durch den Abend führte Stadtplaner Timo Buff von der Bürogemeinschaft Sippel und Buff aus Stuttgart, der diese Aufgabe auch am „Runden Tisch“ übernehmen wird. Auf kritische Fragen aus dem Publikum, wie denn die Verlosung der Plätze vor sich gehe stellte Buff klar: „Es geht doch nicht darum, Mehrheiten am Runden Tisch zu organisieren, sondern alle verschiedenen Perspektiven einzubringen.“ Das Misstrauen war groß, das konnte man an den vielen Zwischenrufen merken. Etwa zwei Drittel der Besucher dürften skeptische Anwohner und ein Drittel Interessenten an den Immobilien dort gewesen sein. Letztere könnten sich gut vorstellen, dort zu wohnen, wo vorher gekickt wurde. Gerade die Häuser und die „Betreuten Wohnungen“ standen bei den Interessenten im Fokus und sie sprachen mit den Vertretern der Bauträger, und hätten gerne die Verkaufspreise gewusst. Da diese aber auch abhängen von der Planung, die ja noch nicht feststehe, konnte darüber noch keine Aussage getroffen werden.

Dr. Alexander Kuhn und Jacqueline Schnurpfeil von dem Planungsbüro MVV Regioplan aus Mannheim, das das Investorenauswahlverfahren durchgeführt hatte, berichteten über die weiteren Schritte. Die „für die Innenentwicklung wertvolle Fläche“ von 3,4 Hektar soll architektonischer Vielfalt und individuell gestalteten Wohngebäuden zur Verfügung stehen. Dazu gehörten großzügige Garten- und Freiflächen, ein hoher Grünflächenanteil, ein zentraler Quartiersplatz und individuell gestaltete Freiräume, die dadurch möglich werden, da es sich um ein größtenteils „autofreies“ Gebiet handelt, das gut an den ÖPNV angebunden sein soll. Ein Seniorenzentrum in der Quartiersmitte werde für unterschiedliche Wohnangebote und Praxen konzipiert. Ein wichtiger Aspekt ist die „Durchwegung“ mit fußläufigen Verbindungen in die Nachbarschaft, zu den Kindergärten und zu der Schillerschule und zum Einkaufen in den Norden. Wenn die Planungen überzeugen könnten, werde man in das Bebauungsplanverfahren einsteigen und dann nochmals ein Beteiligungsverfahren, das „formale“, durchführen, so Schnurpfeil. Parallel dazu würden jetzt schon verschiedene Fachgutachten erstellt, die auch Antworten auf die Bürger-Fragen am „Runden Tisch“ geben sollten. Erst danach würde man den Kaufvertrag mit dem Investor unterschreiben.


Herzstück des Quartiers

Das Planer Team setzt sich zusammen aus dem Büro Baufrösche Architekten und Stadtplaner aus Kassel, Bilger und Fellmeth aus Frankfurt sowie Landschaftsarchitekten Bierbaum und Aichele aus Mainz. Simon Fellmeth sprach über die Gestaltung der Geschosse. Das Seniorenzentrum als „Herzstück“ des Quartiers soll 60 Wohneinheiten für betreutes Wohnen bieten. Das Gebäude sei viergeschossig mit einem aufgesetzten Staffelgeschoss geplant, an einer Seite sei ein Hochpunkt mit sieben Geschossen, 21 Meter hoch, geplant. Die vier Tiefgaragen für alle Mehrfamilienhäuser umfassen 440 Stellplätze und werden über drei Zufahrten angefahren. Für die barrierefreie Erschließung des Quartiers sind außerdem
90 Besucherstellplätze vorgesehen. Allerdings fallen nach derzeitigem Planungsstand 35 am Rande des Schrankenbuckels weg.

Stefan Wammetsberger vom Ingenieurbüro Koehler & Leutwein aus Karlsruhe ging auf das noch zu erstellende Lärmschutzgutachten und die Verkehrsprognose für 2030 ein. Im Juni/Juli sei das Verkehrsaufkommen gezählt worden. Sein Büro werde sich auch mit Fuß- und Radverkehr, den Schulwegen und der Erreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs beschäftigen. „Ziel ist es, leichtere Übergänge zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln zu schaffen und die Nahmobilität zu stärken“, meinte Wammetsberger.

Die Bürger konnten sich einbringen. Im zweiten Teil der Veranstaltung gab es die Möglichkeit, an vier verschiedenen Thementischen nachzufragen und zu diskutieren. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Die Themenbereiche waren Städtebau, südlicher und nördlicher Teil, Verkehr und Vernetzung sowie Freiraum und Ökologie.


Anwohner wollen kleinere und weniger Gebäude, Interessenten befürchten dann höhere Preise

Der Entwurf erscheint vielen Anwohnern „zu großstädtisch“. Es sollte genügend Angebote für Kinder geben. Das Gebiet dürfte, weil klimaökologisch „zu wertvoll“, eigentlich gar nicht bebaut werden. Das Seniorenzentrum kommt „zu massiv“ daher. Anwohner fürchten mehr Verkehr in der Germaniastraße. Eine Frage war auch, wie das Neubaugebiet „runtergekühlt“ werden kann. Parkplätze waren immer Thema. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ebenso. Bürger sprachen sich für spezielle Gutachten aus. Die fließenden Übergänge in entstehende Wohngebiete sollten naturnah gestaltet werden. Besucher forderten Vergleichsbeispiele von ähnlich großen Gebieten. Sozialer Wohnungsbau müsse unbedingt berücksichtigt werden. Höhen und Längen der Gebäude sollten „angemessen“ sein. Die Durchgrünung wurde oft als „zu gering“ empfunden.

„Ihre Fragen und Anmerkungen werden gesammelt und am Runden Tisch mit Fachleuten besprochen“, fasste Moderator Timo Buff zusammen. Das erste Treffen ist für Montag, 23. September, vorgesehen, weitere Sitzungen sollen am 20. November, 12. Februar und 11. März stattfinden. Die aus den Zusammenkünften resultierenden Ergebnisse sollen in den Bebauungsplan einfließen, dessen Entwurf danach wiederum zuerst der Öffentlichkeit präsentiert wird.

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