Helmut Mehrer (3. v. rechts) bei seinen Erläuterungen auf dem Brühler Ehrenfriedhof

Donnerstag, 13. September 2018

Eine Stunde auf dem Weg durch 100 Jahre deutsche Geschichte

Beim Tag des offenen Denkmals sollen den Menschen neue Sichtweisen auf Denkmäler geboten werden, an denen man womöglich achtlos vorbeilaufen würde

Und auch in Brühl spiegelt sich die deutsche Geschichte in Denkmälern wider, das arbeitete der langjährige Geschichts-Lehrer und frühere Gemeinderat Helmut Mehrer bei seinem „Weg des Friedens“ heraus, den er am Sonntag, sowohl für Einheimische als auch für „Zugereiste“, angeboten hatte.

Erfreulich war, dass sein Angebot, das im Rahmen des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ lief, gut angenommen wurde, und ihn etwa 20 Zuhörerinnen und Zuhörer eine gute Stunde lang durch den Ortskern der Hufeisengemeinde begleiteten. Es begann beim Kriegerdenkmal, das Großherzog Friedrich 1911 nicht etwa zur Erinnerung an die Opfer 1870/71 einweihte, sondern zur "Wehrertüchtigung" junger Menschen. Der Weg führte über den Ort, an dem die Kantine der Ziegelei Merkel stand, die 1931 als Treffpunkt der Brühler SA zweckentfremdet wurde, zum Ehrenhain des Brühler Friedhofs. Für Helmut Mehrer haben die im Halbkreis angeordneten Kreuze nichts heroisches mehr, jetzt seien sie eher eine Mahnung vor dem Krieg. Und das ist auch zu spüren in der Kriegergedächtniskapelle: Neben der Bewunderung der drei Millionen Mosaiksteinchen stehe hier das Gedenken an alle Soldaten der beiden schrecklichen Weltkriege, also der Sieger und der Besiegten, die töteten und getötet wurden im Mittelpunkt. Mit einem „Vater unser“ oder in stillem Gedenken wurde der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass sich solches nicht wiederholen möge.

Direkt gegenüber dem Rathaus erinnern schließlich drei Stolpersteine und eine von Efeu umrankte Gedenktafel an die Geschichte der jüdischen Kaufmannsfamilie Rhein, die mit ihrem Lebensmittelgeschäft bei ihren Mitbürgern in Brühl beliebt waren. Nazis deportierten die drei Frauen und töteten sie, nachdem schon 1938 in der Pogromnacht ihr Geschäft in Brühl zerstört worden war.

Positive Ausblicke gab es an der Linde, die beim Alten Schulhaus seit 25 Jahren an die Deutsche Einheit erinnert, und beim Platz der Partnerschaften, der mit seinen drei Stelen, die die drei Brühler Partnerschaften mit Frankreich, Ostdeutschland und Burkina Faso symbolisieren, zeigt, wie die Völker auch anders miteinander leben können, nämlich partnerschaftlich und zum gegenseitigen Nutzen: "Wer im Frieden leben will, fördert die Freundschaften", meinte Mehrer unter dem Beifall seiner zufriedenen Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter auch Bürgermeister Dr. Ralf Göck, der Mehrer für seine Initiative dankte, mit der er den Sinn des "Tages" gut getroffen habe.

 

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