Die Brühler Wiesen, hier auf der Kollerinsel, werden immer beliebter

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Gutbesuchte Veranstaltung im Sitzungssaal:

„Für ein gutes Miteinander in den Rheinauen“

Über die Nutzung der beliebten Naherholungsgebiete rechts und links am Rhein bei Brühl gibt es oft Streit zwischen den Landwirten, Jägern, Anglern, Spaziergängern, Hundebesitzern und Reitern, die allesamt in den Wiesen, Wäldern, an den Uferbereichen und Wasserflächen unterwegs sind, die auch über eine vielfältige, schützenswerte Pflanzen- und Tierwelt verfügen. So die landläufige Meinung, die am letzten Donnerstag bei einer gut besuchten Bürger-Versammlung der Region Schwetzingen relativiert wurde: "Ich komme mit Landwirten und Anglern bestens klar", sagte Brühls Jäger-Chef Walther Schleich, der sich nur über die Hundebesitzer ärgerte, die ihre Vierbeiner frei laufen ließen. Eine Reiterin, die regelmäßig ihr Pferd ausführt, relativierte auch das: "Es gibt genügend freundliche Hundebesitzer, die Rücksicht nehmen und ihr Tier zur Seite nehmen, wenn wir kommen". Und auch Hundebesitzerin Sabine Schlusinger hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht. „Man begegnet mir hauptsächlich freundlich und ich komme oft sogar nett ins Gespräch“, sagt sie. Von Verboten hält sie nicht viel: „Die Motivation, miteinander auszukommen, muss von den Menschen selbst ausgehen.“ Wie immer: die wenigen Uneinsichtigen, um die es ging, waren nicht da, als Bürgermeister Dr. Ralf Göck die mit 60 Gästen gut besuchte Veranstaltung im Sitzungssaal des Brühler Rathauses eröffnete.

„Warum gegeneinander und nicht miteinander?“, fragt sich auch Hundebesitzerin Jasmin Stanka. Die Jägerin und Tierschützerin hatte nach einigen "unschönen Begegnungen" während des jüngsten Hochwassers beim Bürgermeister den Anstoß für das Treffen gegeben. Und sie hatte in einer Power Point-Präsentation die schönen Rheinauen, aber auch die Konfliktthemen aufgezeigt. Was fehle, sei die Kommunikation untereinander und das Interesse füreinander, bedauert sie. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Ralf Göck wollte sie Vertreter der verschiedenen Gruppen, die alle einen Nutzen in den Rheinauen haben, an einen Tisch bringen.

Alle Gruppen waren vertreten

Und es glückte: Landwirte, Angler, Reiter, Jäger, Hundebesitzer, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger aus der Region Schwetzingen, Brühl und Ketsch hatten die Einladung angenommen. Unterschiedliche Sichtweisen gibt es zwischen den beruflichen und privaten Nutzungen. Wer geht beispielsweise wem aus dem Weg, wenn einem Spaziergänger ein Traktor entgegenkommt? Für die Koller-Bauern sprach Hartmut Erny: „Die Hundebesitzer fühlen sich frei und lassen ihre Hunde von der Leine, und zwar ganze Hundeschulen, die sich unberechtigterweise dort aufhalten. Sie sind das größte Problem, denn sie stören brütende Vögel und das Niederwild".

Das seien Einzelfälle, die Bürgermeister Göck eindämmen möchte. Erny hofft zukünftig auf mehr Unterstützung von amtlicher Seite, denn er selbst sei oftmals mit Aggressionen konfrontiert, sobald er die Hundebesitzer auf ihr Fehlverhalten anspreche. Spaziergänger Klaus Tremmel aus Ketsch stimmt zu: „Ermahnen ist heutzutage schwierig geworden". Er meldete sich gleich mehrfach zu Wort, um zu erfahren, welches Ordnungsamt ihm denn "helfen" könne. Als auch ein Naturschützer den früheren "Feldschütz" von den Gemeinden einforderte, griff der Bürgermeister ein: "Es ist leicht, mögliche Missstände einfach bei den Gemeindeverwaltungen abzuladen." Schon die heute hohen Personalkosten ließen die einfache "Wiesenaufsicht" leider nicht mehr zu und auch Ordnungsbeamte könnten bloß zeitweise anwesend sein. "Deswegen sind wir ja hier, um andere Weg zum "Miteinander" zu finden", erinnerte Göck an den Sinn der Veranstaltung.

Die Erklärung dieser Problematik geht tief in die Psyche des Menschen: Sofern kein Interesse an anderen Perspektiven besteht, lebt man nach seiner Sicht und hält diese für die einzig richtige. Die Konsequenz ist, dass sich jeder im Recht fühlt, aufgrund von Unwissen über andere Sichtweisen. „Wir müssen gegen diese Unwissenheit ankämpfen“, betont Göck im Verlaufe der Gespräche. Dazu entwickelte er mit Stanka die Idee, Führungen vor Ort anzubieten. Dabei sollen jeweils ein oder zwei Vertreter der verschiedenen Interessengruppen eine Führung in den Rheinauen an typischen Stellen durchführen – so könnte man Verständnis füreinander entwickeln. Göck hält es für nachhaltiger, wenn die Menschen die Konflikte aus eigener Motivation heraus bewältigen, als wenn das Ordnungsamt permanent Wache in den Wiesen schiebe.

Gebietscharaktere und Zuständigkeiten klären

Die Unwissenheit besteht auch an anderen Stellen – viele Nutzer sind sich der Unterschiede zwischen Naturschutzgebiet, das sich unmittelbar am Rhein befindet, und Landschaftsschutzgebiet nicht bewusst. Auf diese Unterschiede wies Stanka in ihrer Präsentation hin, als sie die Rheinauen auch mittels Landkarten näher beschrieb. Da das grüne Juwel überdies nicht bloß aus Brühler Gemarkung besteht, sondern Schwetzinger, Mannheimer und Edingen-Neckarhausener Gemarkungsteile enthält, werde bei der Bevölkerung eine Frage laut: „Wer ist für welchen Teil zuständig?“ Die Zuständigkeitsbereiche und die Unterschiede zwischen Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten will Göck genauer kommunizieren, die Gemeinde werde einen Flyer dazu konzipieren. Jasmin Stanka zeigt sich gegen Ende zuversichtlich: „Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vonstattengeht, aber wir haben alle das Konzept verstanden“, hält sie ihr Schlussplädoyer.

 

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