Seniorentheatergruppe „Rossdörfer Spätlese“

Freitag, 28. September 2018

Kriminalitätsprävention auf anschauliche Art mit der Seniorentheatergruppe „Rossdörfer Spätlese“

Vor mehr als 150 Besuchern leistete die Seniorentheatergruppe „Rossdörfer Spätlese“ in der Brühler Festhalle unter dem Motto "Vorbeugen - schützen - beraten" einen guten Beitrag zur Kriminalitätsprävention.

„Ich würde niemanden reinlassen, der sich nicht ausweist oder vorher angekündigt hat“, versicherte eine der Seniorinnen im Gespräch mit der Zeitung. Doch nicht alle Senioren sind so clever wie die rüstige 87-Jährige. Davon kann Charly Braun, Leiter der Odenwälder Theatergruppe, der selbst 30 Jahre im Polizeidienst tätig war, ein Lied singen. „Immer wieder fallen ältere Herrschaften auf Betrügereien, wie wir sie hier vorführen, rein“, sagte er. Um sie vor dreisten Gaunern zu schützen, trägt das erfolgreiche Theaterkonzept amüsant und gleichzeitig fachkundig zur Aufklärung älterer Menschen bei. „Wir freuen uns, durch Kooperation mit der kommunalen Altenbegegnungsstätte, der Polizei, der Sparkasse und Volksbank, Ihnen einen besonderen Theaternachmittag bieten zu können“, sagte Bürgermeister Dr. Ralf Göck in seiner Begrüßung. "Wir möchten Sie für das Thema sensibilisieren. Geben Sie weiter, was Sie hier heute sehen und hören“, riet er den Zuschauern, „denn es gibt noch viel zu viele Menschen, die Opfer solcher Straftaten werden. Und suchen Sie auch weiter die Gemeinschaft". Die Altenbegegnungsstätten der Kirchen und der Gemeinde, aber auch die drei größeren Seniorenfeiern und viele Vereinsfeste böten Gelegenheit zum Gespräch: "Auch die Gemeinschaft stärkt Sie", meint Göck, "und Sie erfahren viel neues, und wie sich andere wehren und wer Ihnen helfen könnte."

 

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Anschließend dankte er allen Beteiligten, die diesen außergewöhnlichen, lustigen und zugleich informativen Nachmittag möglich gemacht haben: Pia Gärtner und Ingrid Bruns von der Altenbegegnungsstätte, Jochen Ungerer vom Kulturressort, den Banken und der Polizei, die mit einem Infostand präsent waren und für Fragen zur Verfügung standen, sowie der Theatergruppe. Grund zum Lachen aber auch zum Nachdenken bot das Theater den Zuschauern allemal, besonders dann, wenn die Schauspieler sehr authentisch Szenen zum Besten gaben, die sich so auch im richtigen Leben hätten abspielen können. Wie etwa jene, in der ein angeblicher Kriminalhauptkommissar Dotterweich anruft und Kurt Breitwieser aus Brühl vor Einbrechern warnt. Damit die Diebe nicht an seine Wertsachen kommen, soll er sie am besten einer Kollegin zur sicheren Aufbewahrung übergeben – ein solcher Trickbetrug ist auch schon in der Hufeisengemeinde geschehen. Sehr gelungen war auch jener Sketch, in der die Enkelin ihre Oma anruft und sie gleich fragt: „Rate mal, wer am Telefon ist?“ Die Enkelin bittet um Geld für eine Wohnung, die sie sich kaufen möchte. Kurze Zeit später geht Oma zur Bank, hebt ihr Erspartes ab und übergibt es dem angeblichen Vater ihres Freundes. Auch das ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern hat genauso erst vor wenigen Tagen eine Seniorin in der Mannheimer Straße ereilt. Umwerfend komisch der Sketch mit den verkleideten Handwerkern von der Firma „Kremp und Klau“, die vorbeikommen, um die Wasserleitung zu überprüfen. Nachdem sie alle Wertsachen in der Wohnung eingesackt haben, gibt ihnen die Seniorin Bergmann aus Dankbarkeit auch noch Trinkgeld.

Tipps aus der Polizeipraxis

Beim Verfassen der witzigen, unterhaltsamen Dialoge stützte sich Regisseur Charly Braun auf seine langjährige polizeiliche, aber auch Theater-Erfahrung, wie er zwischen den einzelnen Szenen einräumte. Denn so lachhaft das Verhalten der Gauner auf der Bühne ist, auf die gleichen Tricks fallen Menschen tatsächlich jeden Tag herein – auch die, die das vorher niemals von sich geglaubt hätten. So gab Braun stets wichtige Präventionstipps: Die Polizei, sagte er, rufe nie unter 110 an, Handwerker kämen nie ohne vorherige Ankündigung vorbei, bei keinem Kaufvertrag werde sofort Bargeld verlangt. Schöpfe man Verdacht, "dann am besten sofort die Polizei informieren."

Die Polizei rät vorsichtig zu sein, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Man soll nicht raten, wer anruft, sondern Anrufer grundsätzlich dazu auffordern, ihren Namen selbst zu nennen. Wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die man als solche nicht erkennt, sollte man misstrauisch sein. Man sollte beim Anrufer Dinge erfragen, die nur der richtige Verwandte wissen kann. Und man sollte keine Details zu den familiären und finanziellen Verhältnissen preisgeben. Als Angerufener sollte man sich nicht drängen und unter Druck setzen lassen. Die Angaben des Anrufers sollten gründlich überprüft werden. Man kann auch die jeweilige Person unter der lange bekannten Telefonnummer selber anrufen und sich den Sachverhalt bestätigen lassen. Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen fordert, sollte man das erst mit Familienangehörigen oder anderen nahe stehende Personen besprechen. Niemals sollte man Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen übergeben.

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